Wortkarg und maulfaul

Denk man an die harten Arbeitsbedingungen in früherer Zeit, die nicht dazu angetan waren, Unterhaltung, Gespräche oder gar Schwatzhaftigkeit zu fördern, dann lassen sich die spartanische Sparsamkeit beim Reden und die auffällige Ausdruckskürze der Schwaben im Umgang mit anderen verstehen. Je nach Situation kann das bis zur Einsilbigkeit gehen.

Die Wortkargheit hat sich bei den Schwaben vererbt. Sie kommt dort zum Tragen, wo einer einem anderen klarmachen will, dass er anders denkt als der, sich aber nicht festlegen will und ihn ironisch abblitzen läßt oder kurzerhand schachmatt setzt:

„Vatter“ sagte ein Tübinger Bursche aus dem Gogenviertel, „stamme mir wirklich vom Affa ab?“ „Du vielleicht, i net!“

„Wer wird denn da begraben?“sarg „Der em Sarg.“ „Was hot em gfehlt?“ „D’Gsondheit!“

Ein Nönnchen mußte eingestehen, dass Ihr Schlimmes widerfahren war. Über sie sei ein Mann hergefallen. Der Erzengel Michael habe er sich geheißen, sei sonst aber stumm wie ein Karpfen gewesen. „Weshalb hast Du nicht um Hilfe gerufen?“ „S’war Schweigestund, Fr. Äbtissin. Und Ihr hattet befohlen, dass ich das Silentium einhalte“.

Ein zum Tode verurteilter Schwabe soll am Galgen enden. Er könne aber Gnade vor Recht erwirken und am Leben bleiben, wenn er sich mit einer der auf dem Platz versammelten Witwen oder ledigen Frauen kopulieren lasse.

Und was macht der Kerle? Sieht sich die Weibsleut an, geht zur Leiter, deutet zum Galgen und schreit „Nuff“.

Da war einer, der viel zu tief in’s Glas geschaut hatte. Statt auf dem Fußweg wollte er duch’s Bachbett nach Hause. Begegnet ihm ein Nüchterner, der in anruft und ihm aus dem Bachbett helfen will. „Grad deshalb ben i dren“ rülpst der Besoffene. „Wenn i em Bach ben ond fall, no fall i uf da Weg. Fall i aber uf am Weg, no hagla i en’s Wasser ond versauf“

Ein Herr kam zu einem Chirurgen, weil er dauernd Kopfschmerzen hatte und kein Mittel half. Worauf der Arzt ihm erklärte, dass der Herr sein hirn zuviel beim Studieren strapaziert und sich daher in den Hirnzellen mordsmäßig viel Unrat angesammelt habe. Man müsse das Hirn gründlich waschen. Wenn er einverstanden sei, nähme er es ihm das Hirn heraus, reinige es gründlich und in 3-4 Tagen könne er es wieder haben. An der Sonne trockne das Zeug überaus schnell. „Aber ja“ sagt der Herr und der Chirurg geht zu Werke, entnimmt das Hirn, wäscht’s und hängt es an die Wäscheleine zum Trocknen.

Der Chirurg wartet 3-4 Tage, keiner kommt. Er wartet weiter aber es kommt keiner, das Gehirn abzuholen. Erst 3 Monate später begegnet der Chirurg dem Herrn und fragt diesen: „Worom holet se den Ihr Hirn net ab?“. „Ooch“ meint der Herr, „Sie könnet’s behalte. Brauch’s nemme, ben Hofrat worde.“

Ein Gog läuft mit seinem Sohn druch die Tübinger Weinberge zu seimem Wengert. Da sieht der Sohn eine herrenlose Hacke liegen und zeigt drauf. Gerade als der Sohn mit seiner Rede ansetzen will sagt der Gog, der die Hacke schon lange gesehen hatte: „Em raa!“

Wir haben in unserer Sprache auch extrem kurze Ausdrücke wie z.B. den der Verwunderung. Da machen wir keine langen Worte, das lautet nur „awa“ (von „ach was“ abgeleitet). Oder das schwäbische „wie bitte“ lautet schlicht „hä“ – wobei dieses „hä“ noch viel mehr bedeuten kann. Wir Schwaben wissen, welcher Satzzusammenhang das richtige „hä“ erfordert.

So loben wir Schwaben auch nie jemanden, wir „goschen“ nur, wenn die Person etwas nicht richtig macht – weil „nix gsait isch gnuag globt“ (nichts gesagt/nicht getadelt ist genug gelobt).

Hä? Kapiert? Awa – so schnell? Hano – Schnelldenker? Oha – Gscheidle!