Triala, hocka, saua

Ein Schwabe sabbert nicht, er trielt. Im Ländle gibt es weder den Lahmarsch noch die Transuse, sondern den Trieler.

 

In den Siebzigern kursierte unter den Wehrplichtigen die Geschichte von dem jungen Mann, der sich erfolgreich dem Wehrdienst entzogen hatte, indem er bei der Musterung einfach nicht mehr schluckte. Er verhielt sich ansonsten ganz normal, nur: Der Speichel tropfte ihm dauern aus dem Mund. Er “trielte”. Sollte diese Geschichte nicht wahr sein, so wäre sie zumindest gut erfunden. Denn sie spielt auf eine Urangst des Militärs an, der wehrkraftzersetzenden Wirkung eines “Trielers”.

Gemäß Fischers Schwäbischem Wörterbuch ist ein “Trieler”, wer Speichel und dergleichen aus dem Munde fließen lässt, das Essen verschüttet, unflätiger unreinlicher Mensch, langweiliger dummer Mensch, schlaffer unentschlossener Mensch, wer ein leeres kopfloses Gespräch führt, unartiger kleiner Knabe, naseweiser junger Kerle, wer sich kindisch aufführt und auch ein Feigling.

In der Tat wird hierzulande noch immer munter getrielt: das Eigelb auf die Krawatte und die Suppe auf das frisch gewaschene T-Shirt. Der unkontrollierte Speichelfluss scheint hingegen nachgelassen zu haben. Zahnende Kinder trielen jedoch unvermindert weiter

Zwei weitere Hauptwörter sind von trielen abgeleitet: die “Trielerei” und die “Trielete”. Die Trielete ist das sichtbare Ergebnis der Trielerei. Wer gerne “trielt”, vor allem in übertragenem Sinne, ist trielig. Und wer nicht rechtzeitig fertig wird, der setzt sich dem Vorwurf des “herumtrielens” aus.

Der Schwabe sitzt nicht, er hockt. Wenn er zu gut hockt, dann verhockt er. Wenn ein Nichtschwabe hockt, dann hinter Gittern.

Warum hockt der Schwabe lieber als er sitzt? Die Ursprungsbedeutung von “hocken” ist “sich krümmen”. Das tut man beim Sitzen vor allem dann, wenn die Sitzgelegenheit keine Rückenlehne hat. Das ist bei einem “Hocker” der Fall, der infolge dieser Minderausstattung billiger ist als ein Stuhl. Doch wäre es sicherlich eine böswillige Unterstellung, die Vorliebe des Schwaben für das Hocken mit Sparsamkeit oder geiz zu begründen.

Wenden wir es positiv. Wer hockte hat Rückgrat, was bei jemanden, der sich bequem zurücklehnt, nicht notwendig vorauszusetzen ist. Schließlich darf der gruppendynamische Aspekt nicht vergessen werden: Beim gemeinsamen Hocken auf den sog. Hocketen (nicht Hocketse), kommt man sich dank der nach vorn gekrümmten Haltung über die Biertische hinweg näher, was mitunter dazu führt, dass man “verhockt” und man einen “hocken” hat.

 

Der Schwabe saut, doch ist er noch lange kein Erdferkel. Ein schmutziger Nichtschwabe dagegen hat sich eingesaut.

Nun, wir Schwaben verbinden mit “sauen” noch lange keine Verwandschaft mit den gleichnamigen Vierbeinern. Nicht dass wir was gegen das Borstenvieh hätten, ganz im Gegenteil. In Stücken aus der Pfanne ist die “Sau” sehr gerne gesehen. Nein, wenn wir “sauen”, dann rennen wir schwäbischen Zweibeiner sehr schnell. Und wen wir Schwaben laufen, dann “geht” der Nichtschwabe.

Ergo: Der Begriff “laufen” bedeutet bei uns “gehen” – beim Nichtschwaben hingegen wäre “rennen” der richtige Ausdruck. Und wenn wir rennen, dann “sauen” wir. Der Begriff “sauen” ist gleichzusetzen mit “wetzen”. Nein, wir wetzen dann keine Sense, wir “sauen” .

Wenn also der Schwabe zu seiner Angetrauten sagt. “Alte, sau”, dann tituliert er seine Frau keineswegs als “alte Sau”. Nein, er ermahnt seine Gattin, “schnell zu rennen” – weil’s z.B. auf den Zug “pressiert” (eilt).

In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass der schwäbische “Fuß” bis zum Oberschenkel reicht. Wenn einem Schwaben der Fuß weh tut, dann weiß man nie, ob es sich um den “nichtschwäbischen” Fuß, das Schienbein oder den Oberschenkel handelt.

Frei interprätiert nach Wolf-Henning Petershagen und ergänzt durch eigene “sprachliche Versautheit”