Tierisch schwäbisch

Moggala, Rälleng, Bibberla, Dachhas & Co.bremener-musikanten

Selbstverständlich hat die schwäbische Sprache auch vor dem Tierreich nicht halt gemacht. Daher gibt es viele Bezeichnungen für Tiere, die selbst viele jüngere Schwaben nicht mehr kennen – die “Alten” kennen diese Ausdrücke noch sehr wohl.

Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass man eben viele, speziell landwirtschaftliche Nutztiere im heutigen Leben gar nicht mehr sieht. Ich denke da an das “Bibberle” oder das “Moggele” – die Erklärungen dazu gleich.

 

S’ Moggele

Das Moggele kommt aus der Landwirtschaft und ist schlicht der Kosename für ein Kälbchen, gleich ob weiblich oder männlich. Wächst dieses heran, so wird aus dem weiblichen Moggelea Moggl” – die übliche Verkleinerungsform durch anhängen eines “le” fällt weg, das Vieh ist ja auch kräftig gewachsen. Als Moggl/Moggel wird nur die Kuh bezeichnet – nicht jedoch der Bulle – das gibt den “Hommel”.

Der Begriff des “Moggele/Moggl” dürfte vom schwäbischen “Meggl” – dem Kopf -herrühren. Sicher ist dies aber nicht, obwohl durchaus nachvollziehbar.

 

S’ Bibberle

Jetzt denkt jeder an “bibbern”, also zittern, wenn es einen friert. Das ist gar nicht mal so falsch. Denn ein “Bibberle” bibbert auch und daher kommt auch die Bezeichnung für ein Küken – wobei das Bibberle ursprünglich für das Hühnerküken gemünzt war, sich aber auch auf andere Geflügelnachkommen ausgedehnt hat. Und bibbern mußte das Bibberle auch nur, weil man in der Regel die Hühnereier “extern” ausgebrütet hat – also nicht unter der Henne/Glucke sondern im Brutschrank. Nach verlassen des wärmenden Brutschrankes gab’s natürlich das große Bibbern. Die Bibberla wurden dann in der beheizten Wohnstube auf eine gewisse Größe herangezogen, bis es vorbei war mit der Bibberei – heute hängt man eine wärmende Rotlichtlampe in den Hühnerstall.

 

Dr Rälleng / Rälle

Der Ausdruck des Rälleng bzw. Rälle kommt vom Wort “rallen” und steht für ein männliches Mitglied der Gattung Katze, ergo den Kater. Jeder, der einen liebestollen Kater schon hat “rallen” hören, der wird nachvollziehen können, woher der Rälleng kommt. Die lautstarken “Willensäußerungen” des Vierbeiners zur nachtschlafenen Zeit hat schon manchen Schwaben “zur Wildsau” gemacht, so dass er dem Rälleng einen Hausschuh an den “Ranzen” geschmissen hat.angstkatze

Will man aus dem Rälleng einen faulen Stubentiger machen, so hilft in diesem Falle nur die “Entkaterung” des Vierbeiners.

Tipp: Wer seinem ungeliebten Nachbarn mal eine richtige Rälleng-Orgie gönnen möchte, der besorge sich in der Apotheke oder Drogerie Baldrian-Tinktur. Dieses Zeug auf ein Papiertaschentuch geträufelt und unter dem nachbarlichen Schlafzimmer des Nächtens deponiert hat enorme Auswirkungen. Die Rälleng “fahren darauf ab” und laufen zur tonstarken Höchstform auf. Aber Vorsicht: Das eigene Schlafzimmer sollte nicht in der gleichen Richtung liegen, sonst geht der Schuss nach hinten los.

 

Dr Dachhas

Den Ausdruck werden viele nicht kennen. Schließlich habe auch ich noch nie einen Hasen oder ein Karnickel auf dem Dach eines Hauses, einer Scheune etc. gesehen. Hasen und Kaninchen können schließlich nicht klettern. Die Lösung ist relativ einfach: Der Dachhas ist die Katze, gleich welchen Geschlechts. Die Bezeichnung rührt aus früheren Zeiten, in denen die Katze noch für die Dezimierung von Mäusen und Ratten zu sorgen hatte. Und da diese Nager speziell in bäuerlichen Gebäuden oftmals über das Dach liefen, folgte ihnen die Katze. So – und auch wegen des dem Hasen optisch ähnlichen Körperbaus – kam es zum Dachhas. So sagt man bei uns auch “Kopf weg – Schwanz weg – Has!” und meint damit, dass eine um Kopf und Schwanz “erleichterte” Katze einem Hasen durchaus ähnlich sieht. Und ich kenne verbürgte Aussagen, dass so mancher Dachhas als “falscher Hase” im Kochtopf gelandet ist.

 

Dr Bullabeisserbeisser

Also der “Bullenbeisser”. Wer traut sich schon, einen waschechten und kampferprobten Bullen zu beissen, dem man üblicherweise weiträumig aus dem Weg gehen sollte – der eigenen Gesundheit wegen. Nun, ein Bullabeisser ist bei uns Schwaben ein Vierbeiner, der sich das zutraut. Der Bullabeisser ist schlichtweg die Bezeichnung für einen großen, scharfen Hund. Also so in der Größenklasse eines Dobermanns, einer deutschen Dogge oder einem Rottweiler – groß, kräftig, bissig.

Wobei sich jetzt die Frage aufwirft, wem man besser aus dem Weg gehen sollte. Dem Bullen oder dem Bullabeisser. Besser wohl beiden.

 

D’ Sackratte

Jetzt wird’s komisch. Eine Ratte, die einen Sack hat? Weit gefehlt. Wir reden hier nicht über die großen Vierbeiner, vor denen sich viele (unbegründet) ekeln und auch vom Leinen-Sack sind wir weit entfernt. Auch das landwirtschaftliche Nutztier wäre hier völlig fehl am Platze. Die Sackratte ist ein Millimeter großes Krabbeltierchen, das einen ganz schön “melken” kann. Wir sprechen hier von der Filzlaus, die sich vornehmlich im Genitalbereich des (unhygienischen) Menschen einnistet. Und der Begriff “Sack” kommt dann logischerweise vom männlichen Hodensack. Wobei die Sackratte nicht nur den männlichen Homo Sapiens befällt und dort Blut saugen kann, die macht auch vor “Weiblein” nicht halt. Siehe auch: Die Filzlaus

Heutzutage ist die Sackratte eher selten anzutreffen. Dank entsprechender Hygienemaßnahmen gehört die Filzlaus zu einer aussterbenden Gattung. Wobei ihre Verwandtschaft, die Kopflaus, laufend irgenwo ihren Auftritt hat.

 

Dr Giggalerhahn

Er gehört eindeutig zur krähenden Zunft des Federviehs, der Hahn oder Gockel. Ein Giggaler ist ein Prachtvieh eines Hahnes, der stimmgewaltig auf dem Misthaufen sein Dasein rauskräht. Jene schwindsüchtigen “Hähnchen” aus der Tiefkühltruhe, die der Hähnchenfarm entsprungen sind, würden wir niemals als Giggaler bezeichnen.

 

Ein waschechter Giggaler hat nicht nur die Aufgabe, “die Oier zom schdempla” (Eier stempeln, sprich Hühner decken). nein, er hat die ehrenvolle Aufgabe eines Weckers und Wetterprophets.

Denn: Kräht dr Hahn uf am Mischd, ändert sich’s Wetter, oder s’bleibt wia’s ischd.

 

D’ Habergoiß

Ja was isch au des. Haber ist schwäbisch der “Hafer. “Goiß” wäre die Ziege. Aber weit gefehlt. Die Habergoiß ist ist eine Spinne mit langen Beinen – der hochdeutsche Weberknecht. weberknecht

So weit so gut.

 

 

 

Es gibt aber auch andere Beschreibungen der Habergoiß. Zum Beispiel in der Fasnet: https://de.wikipedia.org/wiki/Habergei%C3%9F

Man kanns auch wissenschaftlich sehen. Dann ist die Habergoiß nämlich ein Vogel, der Wachtelkönig. Weil sein Fluggeräusch dem meckern eines Geißbocks ähneln soll.wachtelkoenig

 

 

 

Andererseits verwenden wir Schwaben den Ausdruck auch für eine dürre, schwachbrüstige Frau.

Was solls. Habergoiß bleibt Habergoiß !