Schwäbisch spirituell

So sieht uns ein Nichtschwabe:

Wenn man einige Zeit unter Schwaben verbringt, bemerkt man als Zugereister schnell, dass – sowohl in der Provinz als auch in Stuttgart – so manches anders ist, als man es von anderen Teilen Deutschlands gewohnt ist.
Denn der Rest der Republik wird hier nur rudimentär wahrgenommen, teilweise auch ignoriert, wenigstens mit gerümpfter und hoch erhobener Nase darauf herabgeschaut.

Klar, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, das Ländle ist landschaftlich wirklich sehr reizvoll, das Essen schmeckt und vieles ist hier noch ein wenig traditioneller als in anderen Teilen Deutschlands – ob es nun die Familien, die Dorfgemeinschaften, die bewahrten Traditionen oder der Glaube ist. Schließlich ist der Pietismus nicht ohne Grund in Baden-Württemberg besonders stark und tief verwurzelt. Der schwäbische Pietismus ist bekannt – und durchaus auch gefürchtet. Das klare Bekenntnis zu Jesus, die Bibeltreue und die Vorsicht gegenüber modernen Einflüssen sind Eckpfeiler pietistischer Bewegungen.

Es gibt im Ländle noch volle Landeskirchen, mächtige Kirchenfürsten und sogar Dörfer und Kleinstädte, die regelrechte christlich-pietistische Enklaven sind.
Und das hat eben seine Wurzeln im schwäbischen Pietismus. Der etablierte sich in Form von landeskirchlichen und pietistischen Gemeinschaften als mächtiger Flügel innerhalb der Landeskirche und hält sie so einigermaßen auf einem bibeltreuen, bekenntnisorientierten Kurs, der einer Verweltlichung der Kirche konsequent entgegengeht.

Bis heute hat sich die Macht des Pietismus in Württemberg erhalten, allerdings bröckelt es so langsam. Der klassische Pietismus befindet sich auch hier auf dem Rückzug, in kleinen, hart umkämpften Schritten und weicht langsam dem modernen Evangelikalismus. Dieser hat auch in Schwaben Einzug gehalten, und nicht nur das, er ist dort auch auf fruchtbarsten Boden gefallen. Vor allem in Form von charismatischen Pfingstgemeinschaften.
Nirgendwo gibt es so viele, nirgendwo so große und nirgendwo öffentlich so anerkannte und einflussreiche charismatische Gemeinden wie im Ländle.

Von allen deutschen “Stämmen” gleichen die Schwaben im Religiösen am ehesten dem klassichen afrikanischen Stammesvolk. Das fällt auf, wenn man sich mit der Bandbreite des Religiösen in der Region beschäftigt.
Schwaben haben einen starken Drang zu Übernatürlichem und zu einer ausufernden, heftig körperlichen Spiritualität, mit Versatzstücken des Wohlstandsdenkens.
Nicht ganz so wild wie so manche Afrikaner, aber dennoch die deutsche Volksgruppe, die den charismatischen christlichen Bewegungen und zugleich den esoterischen Strömungen zu starker Verbreitung und größerer Bekanntheit verhalf.

(Author unbekannt)

Ende des Zitats, dem ich eigentlich nichts hinzuzufügen habe.