Muggafugg ond Herdwasser

Muggafugg – was isch jetzt au des? Da fangen auch viele Schwaben an zu „hirnen“ (denken) und assoziieren zuerst den Wortteil „Mugg“ mit dem fliegenden Insekt, der schwäbischen Mugg, der gemeinen Fliege, die einem dauernd „om da Riebelesmeggl (schwäb. Charakterkopf) fliegt“.

Weit gefehlt. Der schwäbische Muggafugg hat rein gar nichts mit der hochdeutschen Fliege zu tun. Des Rätsels Lösung ist nicht ganz einfach. Der Muggafugg ist schlicht und ergreifend ein warmes Getränk aus früheren Jahren, man kann es als Kaffee-Ersatz bezeichnen.

In Ermangelung echten Kaffee’s und weil selbst in den 60er Jahren noch unbezahlbar für den Normalschwaben, wurde der Muggafugg getrunken. Hergestellt wurde dieser wie Kaffee, nur ohne die gleichnamige Bohne. Es war geröstetes Getreide, das gemahlen und mit einer Prise Zichorie (Wurzel der Wegwarte) versetzt wurde, damit das Gebräu auch schön wie Kaffee gefärbt war. Auf der Schwäbischen Alb wurden in Ermangelung des Getreides auch geröstete Eicheln verwendet. Wie das „gemundet“ hat, das möchte ich nicht wissen.

Den Muggafugg aus Gerstenmalz und Zichorie hingegen kenne ich sehr gut (der Lindes-Kaffee). Das war in jungen Jahren Normalität unter der Woche, nur Sonntags gab’s echten Bohnenkaffee, wie wir ihn heute „hinterhergeschmissen“ bekommen.

Der Muggafugg scheint wieder in Mode zu kommen bei jenen Leuten, die echten Kaffee nicht vertragen und daher den Muggafugg (fachlich richtig: Kaffee-Surrogat-Extrakt) bevorzugen. Viele werden die Marke „Caro“ noch kennen. Die gibt’s immer noch.

Die Herkunft des Ausdruckes Muggafugg ist nicht völlig geklärt, scheint aber romanischer Herkunft zu sein. Abgeleitet von „mocca faux“, also dem „falschen Mocca“. Sei’s drum, der echte Kaffee ist mir näher als der Muggafugg.puppenherd
Das Herdwasser ist natürlich das Wasser auf dem Herd, das zur Zubereitung von Nudeln, Reis etc. per Kochtopf und Hitze bis zum Siedepunkt erhitzt wird. Das ist aber nur eine Deutung des schwäbischen Herdwasser’s.

 

Das Herdwasser ist auch jenes Wasser, das in früheren Küchenherden, die auch als Heizung dienten, im sog. Schiff als heißes Wasser zur Verfügung stand (siehe Abbildung rechts mit dem weiß emaillierten Deckel). Das sog. Schiff war in die Herdplatte eingelassen und wurde so zwangsweise bei brennendem Herdfeuer mit erhitzt. Es gab ja noch keine Warmwasserleitung, die man einfach hätte aufdrehen können. So hatte man damals immer warmes Wasser zum spülen des Geschirrs – aber auch für die Körperpflege, weil Dusche und Co. gab es noch nicht.

Die dritte Bedeutung des Herdwasser’s führt uns wieder zurück zum Muggafugg und Kaffee. Heutzutage bezeichnen wir einen sehr dünnen Kaffee als Herdwasser – also wenn man die Zeitung durch den Kaffee lesen kann. Ursprünglich kommt das aber daher, dass man früher einen „Kaffee-Hafen“ (blecherne Kaffeekanne) auf dem holzbefeuerten Küchenherd stehen hatte – so lange, bis der leer war.. So war immer etwas Warmes da, das man trinken konnte – speziell in der kalten Jahreszeit. Und da Muggafugg oder Kaffee bei zu hoher Konzentration bitter werden, wenn man die zu lange warm stehen läßt, hat man halt sehr wenig dieser „Zutaten“ in das Herdwasser getan. Dieses Herdwasser wurde in den warmen Sommermonaten aber durch den Moscht (vergorener Most aus Äpfeln und Birnen) ersetzt, der auch für mich damaligen „jonga Kerle“ (Jungspund) als Moschtschorrle (Most mit Wasser) normal war.