D Migge

So – jetzt isch’r ganz nommgschnappt ond wird obszön.

Noi, noi – i han’s no beisamma (ich hab sie noch alle – hirntechnisch gesehen).

Migge, migga – des kennt jo koi Sau (das kennt ja kein Schwein, ein “älteres” schwäbisches schon).

So, jetzt “assoziiert” der Nichtkundige gemäß den Sprachlauten “Migge” = Mücke. Doch so einfach machen wir Schwaben es den Unkundigen und Reigschmeckte nicht. Die urschwäbische Migge hat nichts mit dem Flugobjekt aus dem Insektenreich zu tun, das uns in den Sommermonaten laufend um die Gosch fliegt (um den Mund fliegt) und einem manchmal zu Gewaltsausbrüchen nötigt, ja zu “Mördern” macht – dem Muggabatscher sei Dank (der Fliegenklatsche sei Dank).bierbremse

Nein – die “Migge” ist schlichtweg die mechanische Bremse bei Fahrzeugen aller Art, die auch bei uns Schwaben eine Bewegung in den Ruhezustand bzw. verlangsamten Zustand versetzt – Geschwindigkeitsabbau halt. Der Schwabe “steigt nicht in die Eisen” – er “miggt”. Ergo: Wenn wir “miggen”, dann bremsen wir ein sich fortbewegendes Transportmittel ab – vornehmlich ein Fahrzeug bzw. Fuhrwerk. Wenn ich also in den warmen Monaten mit dem Motorrad unterwegs bin und das Schild “Biergarten” sehe, dann “steige ich nicht in die Eisen”, nein: “I migg wia’d Sau” (ich bremse wie ein Schwein – also “volle Kanne”) in Erwartung eines gut gekühlten “Hopfentee’s” – neudeutsch auch “Kaltschale” genannt – zur Erquickung des schwäbischen, ausgetrockneten und lechzenden Gaumenflügels (“bleifrei” natürlich ).

Und damit wir gleich klarstellen, so urschwäbisch “miggen” wir Schwaben mit der “Migge” nämlich nicht. Die “Migge” hat ihren Ursprung in der französischen Sprache. Unsere Altvorderen hielten halt die französische Sprache für schick – speziell bei den “Großkopfeten”, den Adligen. Das Wort “Migge” kommt schlicht von der französischen “mechanischen” Bremse – der “freiner mecanique”. Das schwäbische Volk hat aus dem zweiten Wortteil eben schlicht die “Migge” gemacht, denn französisch konnte das “gemeine Volk” nicht.

So eine Erklärung, die ich aber für nicht ganz korrekt halte. Wir Schwaben haben schon “die Migge neighaua”, als es noch gar keine mechanische Bremse gab. Vermutlich kommt der Ausdruck von der Artillerie. Dort gab es die “Mike”, einen Brems- bzw. Unterlegkeil, der die Kanone auf ihr Ziel gerichtet hielt. Und eben dieser Keil wurde unter die Kanonenräder geschlagen – ergo “d’ Migge neighaua” (der Bremskeil eingeschlagen).

Miggen tut der Schwabe übrigens ausschließlich “mechanisch”, also per Einsatz der mechanischen Bremse etwas sich Fortbewegendes zum stehen bringen. Nie würden wir einen übereifrigen Zeitgenossen “einmiggen” – sprich “einbremsen” – dafür gibt’s andere Ausdrücke.

Aber mir migget au für a Katz oder a anders Viech – ned bloß für a “Halbe” – ond bei Reigscheckte machet mir scho amol a Ausnahm.

Und mit der hochdeutschen “Bremse”, also jenem stechenden insektarischen Fluggerät hat unsere “Migge” schon rein gar nichts zu tun – des isch a “Bream”. Also: “I migg”, “Du miggschd” ond “mir migget” – alles klar?

So einfach – und doch so kompliziert.